Neugriechische Sprache
Neugriechisch (neugr. Néa Elliniká, ??? ????????), die heutige Sprache der EU. Außerdem ist es in einigen südalbanischen und süditalienischen Gemeinden, in denen Angehörige griechischer Minderheiten leben, als lokale Amts- oder Schulsprache zugelassen. Zusammen mit den ausgewanderten Griechen und Zyprioten sprechen weltweit etwa 12,3 Millionen Menschen Griechisch als Muttersprache. Das Neugriechische gehört zu den indogermanischen_Sprachen, steht innerhalb dieser Sprachfamilie jedoch isoliert da, ist also mit keiner weiteren Sprache näher verwandt.
Terminologie
Das Neugriechische wird heute in vielen Wörterbüchern und im aktuellen Kontext (zum Beispiel in der EU) allgemein als Griechisch bezeichnet. Um es sprachlich vom Altgriechischen zu unterscheiden, das im Zusammenhang der humanistischen Bildung und der antiken griechischen Kultur meist ebenfalls nur als Griechisch bezeichnet wird, herrschen in linguistischem Zusammenhang die Begriffe Neu- und Altgriechisch vor.
Um ganz exakt die heutige offizielle Staats- und Umgangssprache Griechenlands zu benennen und auch die Grenze zu den ebenfalls neugriechischen Sprachformen Katharevousa und Dimotiki zu ziehen, wurde der englische Begriff Standard Modern Greek (?Standard-Neugriechisch?) geprägt. Oft wird das Standard-Neugriechische mit der Dimotiki gleichgesetzt, was jedoch aus sprachwissenschaftlicher Sicht nicht völlig korrekt ist, da auch die Katharevousa einen bedeutenden Einfluss auf die Standardsprache genommen hat.
Im Neugriechischen selbst wird die Sprache wissenschaftlich korrekt als Neoellinikí Kiní (??????????? ?????, ?Neugriechische Gemeinsprache?) bezeichnet, weiters finden sich ta (Néa) Elliniká (?? (???) ????????, ?das (Neu-)Griechische?) und i Neoellinikí (? ???????????) bzw. i Ellinikí (? ????????), ?die (neu)griechische [Sprache]?.
Geschichte
Hauptartikel: Griechische SpracheNeugriechisch hat sich aus der Koine des Altgriechischen und damit dem attischen Dialekt entwickelt. Den Beginn der neugriechischen Epoche setzt die Forschung wechselweise im 11. Jahrhundert (erste Epen in weitgehend neugriechischer Sprache), um das Jahr 1453 (Fall Konstantinopels) oder in der Mitte des 17. Jahrhunderts (Kretische Renaissance) an.
Seit 1460 besaß die Sprache keinen offiziellen Status, wurde jedoch in den besetzten Gebieten Griechenlands sowie im gesamten Osmanischen_Reich verstreut gesprochen. Nach der Griechischen_Revolution wurde es 1830 zur alleinigen Staatssprache des neu gegründeten Staates. In den folgenden hundert Jahren fand ein umfassender Bevölkerungsaustausch mit den Gebieten der übrigen neu gegründeten Nationalstaaten statt, so dass das Griechische aus diesen weitgehend verschwand, im wachsenden griechischen Staat selbst jedoch zur Sprache der überwältigenden Mehrheit wurde. Nur in Zypern, das bis 1960 eine britische Kolonie war, kam es zu keinem derartigen Austausch. Das Griechische verbreitete sich außerdem seit dem 19. Jahrhundert durch Auswanderung in der gesamten Welt, besonders in Nordamerika und Australien. Seit dem Zweiten Weltkrieg spielt auch zunehmend die Auswanderung nach Westeuropa, insbesondere nach Deutschland und Großbritannien, eine Rolle.
Katharevousa und Dimotiki
Hauptartikel: Griechische Sprachfrage
Bis 1976 existierte das Neugriechische in zwei Sprachformen, der Dimotiki (????????), der traditionellen Volkssprache, und der Katharevousa (???????????, ?die Reine?), einer künstlichen, an das klassische Griechisch angelehnten Hochsprache. Mit der Kunstsprache Katharevousa versuchten national gesinnte, gebildete Kreise des jungen griechischen Staates die Kontinuität zur ?großen? klassischen Vergangenheit zu unterstreichen. Die kompliziertere Grammatik und der veraltete Wortschatz wurden von der Bevölkerung nicht angenommen, trotzdem tobte ein jahrzehntelanger Sprachstreit zwischen den Attizisten (Befürwortern der an den attischen Dialekt des Altgriechischen angelehnten Katharevousa mit Zentrum an der Universität Athen) und den Demotizisten (Anhängern der Volkssprache mit Zentrum an der Aristoteles-Universität Thessaloniki).
Nach Ende der Papadopoulos-Diktatur wurde die Katharevousa durch Parlamentsbeschluss als Amtssprache abgeschafft und spielt heute nur noch in Dokumenten der Kirche, in Inschriften oder in anderen schriftlichen Bereichen vereinzelt eine Rolle (z. B. die Zeitung Estia). Die Volkssprache hat sich in den letzten Jahrzehnten endgültig als gesprochene wie auch geschriebene Sprache Griechenlands durchgesetzt. Vielen gelehrten Redewendungen und Wörtern aus der Katharevousa gelang es jedoch, Eingang in die gesprochene Sprache des Volkes zu finden, so dass sich das heutige Neugriechisch als eine Synthese der Dimotiki und der Katharevousa darstellt, mit einem Mischungsverhältnis zugunsten ersterer. Das breite stilistische und lexikalische Spektrum der heutigen Sprache, resultierend aus den erwähnten volkstümlichen wie auch gelehrten Einflüssen, macht einen wichtigen Aspekt des besonderen Reichtums des Neugriechischen aus.Christos Karvounis (2002): ?[Der Kampf um die Sprache im 19.-20. Jh.] beschleunigte einen Mündigkeitsprozess, durch den die volkssprachliche Grundlage mit den hochsprachlichen Elementen schließlich zusammenwuchs, was zu einer ?Gemeinsprache" führte (??????????? ?????/Standard modern Greek), die vielleicht kraftvoller und ausdrucksstärker ist als je zuvor."
Adrados (2001), S. 289 ?Was wir daher gemeinhin Neugriechisch nennen, ist nicht ganz einheitlich, denn es bewahrt in seiner Phonetik und Morphologie und besonders in seinem Wortschatz zahlreiche Elemente der alten Hochsprache."
Heutige Sprachformen
Die neugriechische Sprache wird heute in Griechenland vergleichsweise einheitlich gesprochen und ist nur wenig dialektal zergliedert. Ein Besucher Griechenlands muss kaum damit rechnen, auf griechische Menschen zu treffen, mit denen keine Verständigung auf Standardgriechisch möglich ist.
Nach der Befreiung Griechenlands, dessen Territorium zunächst nur die Peloponnes, Attika und Teile Mittel- und Westgriechenlands umfasste, wurde der peloponnesische Dialekt, der lautlich wie morphologisch der geschriebenen Katharevousa am nächsten stand, die Basis der Standardsprache. Nach der Verlegung der griechischen Hauptstadt nach Athen im Jahre 1834 überlagerte er durch den Zuzug vieler Griechen von der Peloponnes allmählich auch die alte Athener Mundart. Die Mundarten der Ionischen Inseln und Konstantinopels, deren Sprecher die Athener Elite ergänzten, sind mit der peloponnesischen ebenfalls eng verwandt. Peter Mackridge: The Modern Greek Langauge, Oxford 1985, ISBN 0198157703
Indes weichen die in manchen Landesteilen - z. B. in Kreta, im Epiros, in Thrakien (hier vor allem in Nord-Evros) oder auf Zypern - gesprochenen Idiome soweit von der Standardsprache ab, dass man von neugriechischen Dialekten spricht, auch wenn die Unterschiede zwischen ihnen nicht so groß sind, wie es beispielsweise bei einigen deutschen Dialekten der Fall ist.
Dialekte
Der erste Versuch, die neugriechischen Dialekte zu ordnen, stammt von Georgios N. Hatzidakis. Anhand der Entwicklung der unbetonten halboffenen und geschlossenen Vokale teilte er die neugriechischen Dialekte in Nördliche und Südliche ein. Dieser Einteilung zufolge wandeln sich in den nordgriechischen Dialekten alle unbetonte /o/ und /e/ in /u/ bzw. /i/, während alle unbetonten /i/ und /u/ ganz verstummen. In den südgriechischen Dialekten hingegen bleiben diese Vokale unverändert. G. N. Hatzidakis 1892, S. 342
Beispiele: ??????? ([] > []), ???????? ([] > []), ????? ([] > []).Eine mögliche Lesbos, Ikaria, Kreta) kann man zwischen Vokalen im Auslaut eines Wortes den eingeschobenen Konsonanten [] vorfinden, so z. B. bei ????? > ?????? ().
In manchen Regionen Griechenlands entwickelt sich der Stützlaut [] (auf k) zwischen dem Stammauslaut [] und der Endung /-?/ im Präsens, z. B. ??????? > ???????? ([] > [] und auf Zypern []).
Weiterhin wurden als Basis für die Einteilung der neugriechischen Dialekte folgende phonetische, morphologische und syntaktische Phänomene vorgeschlagen: Triandafyllidis 1938, S. 66-67
#Die Entnasalierung der Konsonantenkomplexe /mb/, /ng/, /nd/, vgl. ?????? ([] > [])
#Der Wandel des Lautes [] in []: ???? ([] > [])
#Der Erhalt oder Wegfall des Augments: ??????? - ?????? ([] - [])
#Der Verlust des Genitivus Personalis und Ersatz durch den Akkusativ bei den nördlichen neugriechischen Dialekten: ??? ??? > ??' ??? ([] > [])
#Die Nachstellung der unbetonten Formen des Personalpronomens: ??? ???? > ???? ??? ([] > []), ??? ????? > ????? ???> ([] > [])
Die Dialekte des Griechischen lassen sich anhand dieser Isoglossen wiefolgt aufteilen: Brian Newton: The Generative Interpretation of Dialect. A Study of Modern Greek Phonology, Cambridge 1972, ISBN 0521084970
*Nördliche Dialekte auf dem griechischen Festland etwa nördlich einer Linie Rumänien und Bulgarien leben, weicht von den umgebenden Dialekten stark ab und hat einige Archaismen erhalten.
*Südliche Dialekte
**Peloponnesisch-Ionisch auf der Peloponnes, in Attika und Böotien südlich der Grenze zu den Nördlichen Dialekten, im Süden Euböas sowie auf den Ionischen_Inseln
**Alt-Athenisch und Maniotisch. Der Alt-Athener Dialekt, der z. B. den [i]-Laut vor anderen Vokalen in betonter Stellung erhalten hat, konnte sich nur vereinzelt um die Städte Megara und Kymi sowie auf Ägina halten und steht dem noch existenten Dialekt der Halbinsel Mani nahe, der sich unter den Nachfahren maniotischer Auswanderer in dem korsischen Ort Cargèse bis ins 20. Jahrhundert halten konnte.
**Kretisch-Kykladisch auf Kreta, den Kykladen und in einigen Exklaven in Syrien und dem Libanon
**Südöstliche Dialekte: auf Chios, Ikaria und der Dodekanes sowie das Zypriotische_Griechisch auf Zypern. Bedingt durch die lange politische und räumliche Isolation im Mittelalter und in der Neuzeit konnten sich bis zur türkischen Invasion 1974 auf der Gesamtinsel und danach im griechischen Teil der Insel_Zypern bis heute einige sprachliche Archaismen aus dem Mittelalter halten. Dadurch weicht die Umgangssprache der Zyperngriechen merklich von der griechischen Hochsprache ab. Letztere wird trotzdem in allen formellen Zusammenhängen (Politik, Medien, Schule) und in Schriftform benutzt.
Erloschen ist die Jevanische oder Jüdisch-griechische Sprache (griech. ??????????? ?????????, ?Romaniotischer Dialekt?) der Romaniotes, der jüdischen Griechen, die im ganzen Osmanischen Reich verstreut verbereitet war. Sie starb im 20. Jahrhundert durch Assimilation ihrer Sprecher an die Sephardische Sprache, die umgebenden Staatssprachen oder das Hebräische bei der Auswanderung nach Israel und nicht zuletzt durch die Massenvernichtung der Juden im Holocaust. Sie war aus der mittelgriechischen Koine entstanden und wie vergleichbare europäische Sprachen der Juden stark mit hebräischen Begriffen durchsetzt, aber für Sprecher des modernen Griechisch offenbar weitgehend verständlich.
Sprachformen älterer Herkunft
Einige Sprachformen des Neugriechischen haben sich aus älteren Stufen der Sprache gebildet und einige Entwicklungen der Gemeinsprache nicht mitvollzogen. Hinzu kommt bei manchen Dialekten am äußeren Rand des ehemaligen griechischen Sprachraums der Einfluss nicht-attischer griechischer Dialekte oder der Nachbarsprachen, z. B. des Italienischen. Diese Sprachformen, die allesamt im Schwinden begriffen sind, sind für einen Sprecher des Standardgriechischen schwer oder nicht verständlich, womit sie auch als selbständige griechische Sprachen gewertet werden können.
= Tsakonisch
=Tsakonisch wird noch in zehn Dörfern in der Region Lakonien auf dem Peloponnes aktiv gesprochen, es hat sich aus dorischen Wurzeln entwickelt. Nur rund 70 % des Wortschatzes decken sich mit dem des Standardgriechischen. [http://www.ethnologue.com/show_language.asp?code=tsd Eintrag] zum Tsakonischen auf ethnologue.com
Ebenfalls dorisch geprägt ist die Mundart einiger Dörfer auf der Insel Karpathos (bekannt vor allem Olympos).
= Pontisch und Kappadokisch
=Das außerhalb Griechenlands stark gefährdete Pontische und das inzwischen erloschene Kappadokische dagegen weisen starke ionische Einflüsse auf. Pontisch war der verbreitete Dialekt der griechischen Siedlungen rund um das Schwarze_Meer, während Kappadokisch in Zentralanatolien gesprochen wurde. Im Rahmen des Bevölkerungsaustausches mit der Türkei im Jahr 1922 wurden diese Volksgruppen fast vollständig in verschiedene Teile Griechenlands umgesiedelt. Im Gegensatz zum Kappadokischen ist das Pontische noch nicht ausgestorben und wird noch aktiv gesprochen. In von pontischen Umsiedlern besiedelten Gegenden ist es auch heute noch allgemeine Verkehrssprache, und färbt auch auf das hier gesprochene Standardgriechisch ab. Im Raum Thessaloniki gibt es sogar pontischsprachige Radiosender. Allerdings geht die Sprecheranzahl weiter zurück, was auch daran liegt, dass die Hellenische Republik das Pontische - wie auch die Geschichte der Pontier allgemein - offiziell bis vor wenigen Jahren vollkommen ignorierte. Kenntnisse des Standardgriechischen sind nicht ausreichend, um Pontisch zu verstehen. Reste von Sprechern des Pontischen gibt es auch in der heutigen Türkei, in Russland und in der Ukraine (in und bei der ukrainischen Stadt Mariupol, daher Mariupolitisch, griech. ??????????????).
= Griko
=Das Griko (ital. auch grecanico, griech. meist ??????????????, katoitaliotika, ?Unteritalienisch?) wird von weniger als 20.000 Menschen in zwei Varianten, dem griechisch-kalabrischen_Dialekt in neun Dörfern um Bova, Kalabrien, und dem Dialekt der Grecìa Salentina in neun Dörfern südlich von Lecce im Salento, der Halbinsel im Süden Apuliens gesprochen. [http://www.uoc.edu/euromosaic/web/document/grec/an/i1/i1.html Porträt] (Universitat Oberta de Catalunya)[http://www.helsinki.fi/~tasalmin/europe_report.html#Italiot Eintrag] im UNESCO Red Book on Endangered Languages[http://www.ethnologue.com/show_language.asp?code=ell ethnologue.com] Das stark vom dorischen Altgriechisch geprägte Griko ist mit großer Wahrscheinlichkeit das linguistische Erbe der ?Magna Graecia?, einige Forscher sehen den Ursprung im Mittelgriechischen aus byzantinischer Zeit. Es wird mit lateinischen Buchstaben geschrieben, das Griko und die umgebenden süditalienischen Dialekte haben sich außerdem gegenseitig beeinflusst.
Phonologie
Der Lautstand des Neugriechischen besteht weitgehend unverändert seit etwa dem Jahr 1000, die entscheidenden Lautwandel haben sich bereits zum Ende der altgriechischen Sprachstufe, in hellenistischer Zeit vollzogen. Kennzeichen sind das in vielen Sprachen bestehende System aus den fünf Vokalphonemen /a/, /o/, /u/, /i/ und /e/, eine Vielzahl von Reibelauten, die die aus dem Indogermanischen stammenden behauchten Verschlusslaute vollständig ersetzt haben und eine deutliche Tendenz zu Sandhi-Verschleifungen, die dem Klang des Neugriechischen einen wesentlich ?flüssigeren? Klang verleihen, als ihn beispielsweise das Deutsche aufweist.
Die wichtigsten Unterschiede zum Altgriechischen:
* Wandel der stimmlosen aspirierten Verschlusslaute [], [] [] zu den stimmlosen Reibelauten [], [] und [] bzw. [].
* Wandel der stimmhaften Verschlusslaute [], [], [] zu den stimmhaften Reibelauten [], [] und [] bzw. [].
* Vereinfachung des Vokal- und Diphthong-Systems:
** Wandel von [], [], [] und [] zu []
** Wandel von [] zu [], von [] und [] über []/[] und []/[] zu []/[] und []/[]
** Verlust der Unterscheidung zwischen langen und kurzen Vokalen.
* Ersetzung des musikalischen_Akzentes durch den dynamischen oder expiratorischen Akzent, wie er im Deutschen gebraucht wird.
Diese phonologischen Entwicklungen haben sich (bis auf den Akzentwandel) nicht in der Orthographie niedergeschlagen.
Vokale
Das Neugriechische besitzt 5 Vokalphoneme:
Die Länge des Vokals ist im Griechischen nicht wie im Deutschen bedeutungsunterscheidend. Unbetonte Vokalphoneme werden grundsätzlich kurz ausgesprochen, /e/ und /o/ sind immer offen, /i/ und /u/ stets geschlossen. In betonten Silben kann der Vokal etwas länger ([], ????????, ?Mensch?) realisiert werden, an der Wortgrenze können zwei gleich lautende Vokalphoneme als langer Vokal realisiert werden, auch rhetorische Dehnungen (/oooochi/, ??????!, etwa ?naaaain!?) kommen vor.
*Das /e/ klingt wie deutsches ?ä? in ?hätte?, nicht wie in ?heben?.
*Das /o/ klingt wie in ?offen?, nicht wie in ?Ofen?.
*Das /i/ entspricht der korrekten Aussprache in ?Minute? (kurz, aber geschlossen), nicht wie in ?billig?.
*Das /u/ wie in korrekt ?Musik? (kurz, aber geschlossen), nicht wie in ?Kunst?.
Unbetontes /i/ vor einem anderen Vokal wird oft zu einem [j]-ähnlichen Laut abgeschwächt (/mia/ > [mja], ???) oder palatalisiert den vorangehenden Konsonanten (/?lia/ > [], ????).
=Diphthonge
=Die im Wortschatz seltenen Vokalfolgen ?? (??), ?? (??, ??) oder ?? tauchen sowohl silbisch als auch unsilbisch gesprochen auf, nur im zweiten Fall liegt ein echter (fallender) Diphthong im Sinne eines Phonems vor.
Beispiele:
* silbische Aussprache (kein Diphthong): [] (?????), [] (?????), [] (???????), [] (????????)
* unsilbische Aussprache (Diphthong): [] (???????), [] (????), [] (???????)
Da aufeinander folgende Wörter nicht getrennt gesprochen werden, entstehen im Neugriechischen an der Wortgrenze aus phonetischer Sicht mitunter steigende Diphthonge, die ebenfalls keine Phoneme sind: [] (?? ??????????), [] (? ?????).
Konsonanten
¹ [?] ist Allophon von [m] vor den labiodentalen Frikativen [v] und [f].² [?] ist Allophon von [n] vor velaren und palatalen Konsonanten und wird durch das Graphem > bezeichnet.
³ [?] ist Allophon von [r]
? [ç] und [?] sind Allophone von [x] und [?] vor [?] und [i].
? [j] ist Allophon des Vokals [i] in unbetonter Stellung vor Vokalen.
Zur Erläuterung der Artikulationsorte siehe die Grafik unter Phonetik.
Die Abkürzung ?stl.? steht hier für ?stimmlos? und ?sth.? für ?stimmhaft?.
= Palatalisierung
=Die velaren Plosive /k/ und /g/ werden vor den Vokalen [?] und [i], in Kombination mit [i] generell zu [k?] (gelegentlich auch [kç]) und [g?] (gelegentlich auch [gj]) palatalisiert.
Ein unbetontes [i] vor Vokal schwächt sich in Wörtern volkssprachlicher Herkunft zu [j] oder [ç] ab. Im Falle von [n] und [l] palatalisiert es als Variante auch den vorangehenden Konsonanten, es entstehen [nj] oder [n?] bzw. [lj] oder [l?].
= Aussprachehinweise
=Sandhi-Erscheinungen
Im Neugriechischen gibt es eine Vielzahl von Sandhi-Erscheinungen, wo sich beim Zusammentreffen verschiedener Laute einer von ihnen oder beide verändern. BeispieleAmalia Arvaniti, Mary Baltazani: Intonational Analysis and Prosodic Annotation of Greek Spoken Corpora, Prepublication version, [http://ling.ucsd.edu/~arvaniti/Arvaniti&Baltazani.2005..pdf PDF] (445 KB):
• verändert sich vor bilabialen Konsonanten zu [m oder fällt weg: /tin 'p?li/ > [tim?b?li] oder [ti?b?li] (??(?) ????, ?die (Akk.) Stadt?)
• vor dentalen oder alveolaren Konsonanten schwächt sich ab oder schwindet: /'f?rn?ndas/ > ['f?rn??das oder ['f?rn?das] (?????????, ?bringend?); /t?n la'?/ > [t?la??] (??(?) ???, ?das (Akk.) Volk?)
• wird vor labiodentalen Konsonanten zu [?: /'?mv?l?/ > ['??v?l?] (??????, ?Zapfen?)
* die stimmlosen Plosive und Affrikaten werden nach Nasalen sonorisiert, also stimmhaft: /stin psi?çi/ > [stimbzi?çi] (???? ????, ?in der Seele?)
• wird stimmhaft vor stimmhaften Konsonanten: /?'j?s mu/ > [?'j?zmu (? ???? ???, ?mein Sohn?)
Degemination:
** Zwei gleiche Vokale verschmelzen zu einem: /ta ?at?ma/ > ['ta?t?ma] (?? ?????, ?die Personen?)
** Zwei gleiche Konsonanten verschmelzen zu einem: /?'j?s su/ > [?'j?su] (? ???? ???, ?dein Sohn?)
* Diphthongisierung unterschiedlicher Vokale oder Wegfall des ersten: /? 'il??s/ > ['?il??s] (? ?????, ?die Sonne?); /t? ?at?m?/ > ['tat?m?] (?? ?????, ?die Person?)
Betonung
Wortakzent
Im Neugriechischen wird die Betonung des Wortes auf (genau) einer Silbe durch den Dynamischen_Akzent realisiert, das heißt, die den Akzent tragende Silbe erklingt lauter als die übrigen. Wie im Deutschen erhält die betonte Silbe auch meist einen höheren Ton. Im Schriftbild wird der Akzent durch den Akut ausgedrückt, der die betonte Silbe kennzeichnet. Als bedeutungsunterscheidendes Merkmal spielt die korrekte Betonung eines Wortes eine sehr viel größere Bedeutung als in romanischen oder germanischen Sprachen, da sie nicht durch Lautregeln automatisch auf eine bestimmte Silbe des Wortes fällt. Viele unterschiedliche Wörter unterscheiden sich nur durch ihre Betonung, zum Beispiel nómos (?????, ?Gesetz?) und nomós (?????, ?Bezirk?) oder póte (????, ?wann?) und poté (????, ?nie?, ?je?). Nicht korrekt betonte Wörter werden von Muttersprachlern meist falsch- oder missverstanden, während im Deutschen oder Französischen mit der standardmäßig festen Betonung auf der Stamm- bzw. letzten Silbe ein falsch betontes Wort meist ohne größere Probleme verstanden werden kann.
Der Akzent wechselt auch in der Konjugation zum Ausdruck der Tempora: So verschiebt er sich bei der Bildung des Aorist immer auf die drittletzte Silbe; hat das Verb nur 2 Silben, wird ein sogenanntes Augment (???) vor das Verb gesetzt, das dann die Betonung trägt: káno (???? , ?ich mache?) > ékana (?????, ?ich machte?). Dieses Phänomen bringt Probleme für viele Grammatiktheorien der 80er Jahre mit sich, die suprasegmentale_Merkmale wie Akzentverschiebung nicht berücksichtigen konnten.
Einige Wörter im Griechischen sind grundsätzlich unbetont und stehen direkt neben den Wörtern, auf die sie sich beziehen. Sie werden als Klitika bezeichnet (vorgestellt ?Proklitika?, nachgestellt ?Enklitika?) und umfassen die unbetonten Formen der Personalpronomina sowie die Possessivpronomina.
Eine phonologische Grundregel für die Betonung ist die sogenannte ?Dreisilbenregel?: Keine Silbe, die vor der drittletzten Silbe (Antepaenultima/??????????????) liegt, kann den Akzent tragen, er liegt immer auf einer der drei letzten. Werden an ein auf der zweit- oder drittletzten Silbe betontes Wort ein oder mehrere enklitische, also unbetonte Wörter angehängt, entsteht ein Komplex, den man ?phonologisches Wort? (?????????? ????) nennt. In Folge der Dreisilbenregel erhält dieses ?Wort? dann die Betonung zwei Silben nach der eigentlichen lexikalischen Betonung des Wortes; auf der eigentlich betonten Silbe des ersten Wortes trägt die Konstruktion einen Nebenakzent: [] (?????????, ?bringend?), aber [] (????????? ?? ???, ?es-mir-bringend?).
Satzakzent
Wie das Deutsche ist das Griechische in der Lage, durch den Satzakzent die Aussage des Satzes zu modifizieren und bestimmte Glieder das Satzes als für die Aussage entscheidend hervorzuheben:
To grámma íne gia ména vs. To grámma íne gia ména (?? ?????? ????? ??? ????, ?Der Brief ist für mich? vs. ?Der Brief ist für mich?), De thelis tipota vs. De thelis tipota (?? ?????? ??????; wörtlich Nicht willst-du etwas - ?Willst du nicht was?? vs. ?Willst du gar nichts??).
In der Umgangssprache ist auch Silbenlängung (temporaler Akzent) in einzelnen Wörtern ist als Mittel der inhaltlichen Akzentuierung zu beobachten.
Grammatik
Die neugriechische Sprache ist eine synthetische_Sprache mit flektierenden und fusionalen Elementen. Dabei wurden gegenüber dem Altgriechischen flektierende Elemente zugunsten von Affix- und periphrastischen Bildungen zurückgedrängt. Sie ist eine der wenigen indogermanischen Sprachen, die eine synthetische, also ohne Hilfsverben konstruierte Diathese (d. h. eigene Verb-Endungen für Aktiv und Passiv) besitzt. Die Unterscheidung der Verb-Aspekte einmalig/abgeschlossen (?perfektiv?) und dauernd/wiederholt (?imperfektiv?) wurde systematisiert und auf alle Tempora außer dem Indikativ Präsens ausgedehnt.
Morphologie
Das Neugriechische kommt mit einer verhältnismäßig geringen Anzahl von Morphemen zur Kennzeichnung der grammatischen Kategorien aus, die aber häufig nicht eindeutig sind und mehrere Formen bezeichnen. Die Endung -i beispielsweise kann beim Verb die 3. Person Singular (pín-i, ?er trinkt?), beim Substantiv den Nominativ Plural maskuliner (fíl-i, ?Freunde?), den Nominativ und Akkusativ Singular femininer (fíl-i, ?Freundin?) oder neutraler Substantive (fil-í, ?Kuss?) ausdrücken, bei Adjektiven die Formen Nominativ Plural Maskulinum (megál-i, ?große?), Nominativ und Akkusativ Femininum (megál-i, ?große?) und Neutrum (var-í ?schweres?) bezeichnen. Diese Vielzahl von homophonen Endungen wird erst im Kontext, aber auch oft im Schriftbild durch die historische Orthographie, die noch den Lautstand des Altgriechischen wiedergibt, eindeutig.
Sprachgeschichtlich verhältnismäßig jung sind die zahlreichen und häufig gebrauchten Diminutiv-Endungen (z. B. -aki (-???), -oulis (-?????), -oula (-????), -itsa (-????)), mit denen außer Verniedlichung auch Vertrautheit, Üblichkeit oder Nähe ausgedrückt werden.
Zu den flektierenden Elementen des Neugriechischen zählt das regelmäßige Vorkommen von je zwei Stämmen der Verben, die die beiden Aspekte verkörpern. Im Regelfall wird der Aorist-Stamm aus dem Präsens-Stamm gebildet, der durch /s/ für den Aktiv und /th/ für den Passiv erweitert wird, teilweise unter Verhärtung des Stammauslauts, beim Passiv unter Verschiebung des Frikativs auf den Stammauslaut und Ersatz des /th/ durch /t/. Beispiele:
Unterschiede zum Altgriechischen
Das heutige Griechisch enthält zahlreiche Archaismen und vom Altgriechischen direkt übernommene Formen, die größtenteils auf die Infinitivs (wird durch Nebensätze ersetzt ?Ich will kaufen? -> ?Ich will, dass ich kaufe?, untergeordneter Nebensatz mit ???? na angeschlossen). In seltenen Fällen wird der substantivierte, alte Infinitiv verwendet, wie z.B. to íne ke to gígnesthe (?? ????? ??? ?? ?????????, ?[das] Sein und [das] Werden?) oder to metafrazin (?? ???????????, ?das Übersetzen?); wenn speziell die Handlung und nicht das Ergebnis ausgedrückt werden soll, was i metáfrasi (? ?????????, ?die Übersetzung?) alleine nicht vermag.
* Verlust des Modus Optativ zugunsten von Konstruktionen mit ???? na oder ???? as.
* Verlust des Duals (wird durch den Plural ersetzt).
* Die neue Modalpartikel ?? (aus ???? ?? (?ich will, dass...?) > ??' ?? > ??) für das Futur und Konditional.
* Einführung des Hilfsverbs ??? haben, z.B. ?? ??? ????????? ich habe es probiert.
* Reduzierung der meisten Partizipien auf das Partizip Perfekt Passiv (-?????) und/oder das Gerund (-?????/-?????). Ausnahme: Einige ?gelehrte? Partizipien, die wie im Altgriechischen voll deklinabel sind, z. B. ??????? (existierend), ????????? (eingeschrieben), ???? (handelnd), ?????? (überlebend) u.v.m.
* Erweiterung des Futurs auf die Aspektunterscheidung zwischen dauerhaftem/wiederholtem und einmaligen Futur.
* Verlust des Imperativs der dritten Person. Ausnahme: Bestimmte feste Ausdrücke wie ???? (es sei, wenigstens) oder ????! (er/sie/es lebe (hoch)!)
* Neue Pronomen für die 2. Person Plural, da die alten wegen der Lautveränderung (Itazismus) akustisch nicht mehr von denen der 1. Person Plural zu unterscheiden waren.
* Reduzierung der Reduplikation; sie ist noch in bestimmten Fällen beim Partizip Perfekt Passiv vorhanden, z. B. ??????????? überzeugt, ?????????????? eingeladen, ???????????? erleuchtet, aufgeklärt u.a.
* Reduzierung des Augments auf die Fälle, wo es betont ist. Ausnahmen gibt es bei wenigen gelehrten Verben: ?????????, ?????????, ???????.
Besonderheiten
Gerade die beibehaltene Aspekt-Unterscheidung der ?einmaligen, abgeschlossenen Handlung? (gebildet mit dem Aorist-Stamm der Verben) und der ?andauernden oder wiederholten Handlung? (gebildet mit dem Präsens-Stamm) als eigene, in den germanischen Sprachen unbekannte grammatische Kategorie verlangt vom Neugriechisch Lernenden besondere Aufmerksamkeit. Zu konkreten Informationen über die Aspektunterscheidung im Neugriechischen siehe die Artikel ?Aorist? und ?Paratatikos?.
Eine weitere grammatische Besonderheit des Neugriechischen ist die reichhaltige Wortgruppe so genannter Deponentien - Verben, die mit passivischen Endungen gebildet werden, aber trotzdem rein aktivische Bedeutung haben (???????, ich komme).
Wortschatz
Im Grundwortschatz des Neugriechischen ist die ununterbrochene Kontinuität in der Sprachgeschichte seit dem Altgriechischen deutlich erkennbar, der weitaus größte Teil des neugriechischen Vokalbulars stammt etymogogisch direkt aus dem Altgriechischen. Auch die Ähnlichkeiten auf morphologischer Ebene sind stärker ausgeprägt, als man es in der vergleichbaren Entwicklung vom Lateinischen zum Französischen oder Spanischen vorfinden kann. Zahlreiche elementare Wörter wie ánthropos (????????, ?Mensch?), thálassa (???????, ?Meer?), theós (????, ?Gott?), ouranós (???????, ?Himmel?) oder fílos (?????, ?Freund?) sind seit Jahrtausenden nahezu unverändert Bestandteil der griechischen Sprache. Andere Wörter haben einen mehr oder weniger großen Bedeutungswandel erfahren, so pedévo (???????, altgr. ?erziehen? > neugr. ?quälen?), períptero (?????????, altgr. ?das [mit umlaufenden Säulen] ?umflügelte??, ??????????, ?Säulentempel? > neugr. ?Kiosk?), gamó (????, altgr. ?heiraten? > neugr. ?ficken?); manche auch durch den Kontext des Christentums (ángelos, ???????, altgr. ?Bote? > neugr. ?Engel?).
Über die Katharevousa, die zahlreiche Begriffe aus dem Altgriechischen neu aufgriff, sind Wörter altgriechischen Ursprungs ins Standardgriechische eingegangen, die im Laufe der Zeit geschwunden waren. So besteht neben dem Wort máti (????), das sich aus der altgr. Diminutivform ommation zu omma () bildete, auch das direkt aus dem Altgriechischen entlehnte Wort ofthalmós (????????, ?Auge?). Beispiele für Wörter, die in der traditionellen Volkssprache nicht existent waren, heute aber trotz ihrer ?gelehrten? Herkunft zum griechischen Grundwortschatz gehören, sind etwa en to metaxý (?? ?? ??????, ?in der Zwischenzeit?), touláchiston (??????????? , ?wenigstens?) oder endiaféron (?????????? , ?interessant?).
Auch wurden viele Wörter aus altgriechischen Stämmen künstlich neu gebildet oder aus griechischstämmigen internationalen Fachwörtern ?rückentlehnt?. Beispiele hierfür sind xenodochío (?????????, ?Hotel?) und leoforío (?????????, ?Bus?) bzw. ilektrismós (???????????, ?Elektrizität?) und xylófono (????????, ?Xylophon?).
Einige altgriechische Wortstämme liegen sowohl in einer sprachgeschichtlich ererbten als auch einer hochsprachlichen, aus dem Altgriechischen entlehnten Form vor, deren Bedeutung sich unterscheiden kann (goniá, ?????, ?Ecke? vs. gonía, ?????, ?Winkel? im mathematischen Sinne).
In spätantiker und frühbyzantinischer Zeit drangen zahlreiche Wörter aus dem Lateinischen in den griechischen Wortschatz. Schon im frühen Mittelalter sind auch einige arabische Wörter aufgenommen worden, vor allem im Bereich Mathematik oder Medizin, vereinzelt finden sich auch im Mittelalter entlehnte Wörter albanischer oder slawischer Herkunft im griechischen Wortschatz.
Mit sehr guten Kenntnissen des Altgriechischen ist ein schriftlich vorliegender neugriechischer Text sinngemäß oft zu verstehen; umgekehrt ist es jedoch nur mit Neugriechisch-Kenntnissen deutlich schwieriger, Sinn und grammatikalische Strukturen eines altgriechischen Textes zu erfassen. Auch Griechen müssen also Altgriechisch lernen, um Homer, Thukydides und Platon lesen zu können. Da an deutschen Schulen eine abgewandelte Variante der Erasmischen_Aussprache des Altgriechischen gelehrt wird, kann man mit hierzulande erworbenen Altgriechisch-Kenntnissen im heutigen Griechenland im Normalfall mündlich weder verstehen noch verstanden werden. An griechischen Schulen wird Altgriechisch dagegen mit neugriechischer Aussprache gelehrt.
:weiterführende Artikel: Liste griechischer Vornamen, Griechische Toponyme, Liste der Präpositionen im Neugriechischen, Griechische Zahlwörter
Lehn- und Fremdwörter
Das Neugriechische hat in den Jahrhunderten der Herrschaft anderssprachiger Mächte viele Wörter aus deren Sprachen übernommen. So findet man manche italienische Vokabel, die durch die genuesischen oder venezianischen Besatzer übermittelt wurde (porta > ?????, ?Tür?; bagno > ??????, ?Bad?; coperta > ????????, ?Decke?; scala > ?????, ?Treppe?; terrazza > ???????, ?Terrasse?), aber auch unzählige türkischstämmige Wörter, letztere vor allem aus dem Bereich der Alltagskultur wie Essen oder Musik (köfte > ??????, ?Frikadelle?; tüfek > ???????, ?Gewehr?). Die Bezeichnungen neuzeitlicher Errungenschaften sind teils aus dem Französischen (douche > ?????, ?Dusche?; crayon > ???????, ?Lippenstift?) oder Englischen übernommen (bar > ????, ?Kneipe?; sandwich > ?????????, ?belegtes Brot?, goal > ????, ?[Fußball-]Tor?), parking > ????????, Parkplatz). Allerdings sind Anglizismen nicht so häufig wie im Deutschen, einerseits weil zu Zeiten der Katharevousa Neologismen aus griechischstämmigen Wurzeln gebildet wurden, andererseits weil sich englische Wörter in die phonetisch völlig verschiedene Sprache Griechisch nicht so unproblematisch integrieren lassen wie ins enger verwandte Deutsche. Das Deutsche tritt nur in sehr wenigen Fällen als Gebersprache für das Griechische auf (???????, ?Schnitzel?; ??????????????, ?Gastarbeiter?; siehe auch Liste deutscher Wörter in anderen Sprachen#Griechisch).
Schrift
Im Neugriechischen wird das griechische_Alphabet verwendet, das in der heutigen Form seit 403 v. Chr. nahezu unverändert besteht. Beim orthographischen System des Neugriechischen handelt es sich um eine historische Rechtschreibung, die bestimmte Verschriftlichungen von Lauten und Lautkombinationen über Jahrhunderte und Jahrtausende hinweg bewahrt, obwohl sich die Lautwerte in der gesprochenen Sprache zwischenzeitlich mehrfach geändert haben. Daraus ergibt sich das für Lernende problematische Phänomen, dass sich Schrift und gesprochene Sprache nicht deckungsgleich zueinander verhalten, wie es beispielsweise im Türkischen, das erst unter Mustafa Kemal vom arabischen zum Lateinischen Alphabet gewechselt hat, annähernd der Fall ist. Bekanntestes Beispiel hierfür ist der Iotazismus, also das lautliche Zusammenfallen der Grapheme ?, ?, ??, ?? und ?? mit ? zu [i]. Bei völlig identischer Aussprache des i existieren im Neugriechischen nach wie vor alle sechs verschiedenen Schreibweisen; darüber hinaus zwei für [] (? und ?) und zwei für [] (?? und ?). Lesend kann man mit hoher Treffsicherheit die Lautung auch unbekannter Wörter erschließen, umgekehrt ist die korrekte Schreibung der vorgenannten Vokale nur erlernbar oder aus Kenntnis des Altgriechischen etymologisch erschließbar.
:Hauptartikel: Neugriechische Orthographie
Diakritische Zeichen
Die betonte Silbe eines mehrsilbigen Wortes wird durch ein Akzentzeichen, den Akut gekennzeichnet, bei den Digraphen (??, ??, ??, ??, ??, ??) wird sie auf den zweiten Buchstaben gesetzt. Bei einigen Aussprachevarianten wird der Akut nur bei der 'zweilsilbigen' Form gesetzt: ??? (mja) vs. ??? (mía) und ??? (djo) vs. ??? (dío). Um Ambiguitäten in der Orthographie zu vermeiden, wird der Akut auch bei einigen einsilbigen gleichlautenden Wortpaaren zur graphischen Unterscheidung eingesetzt. Er wird nur bei Wörtern gesetzt, die Minuskeln enthalten, also ?????, aber: ?????.
Der ?Doppelpunkt? über den Vokalen ? oder ? (das Trema) ist kein Betonungszeichen, sondern typographischer Hinweis darauf, dass eine Buchstabenkombination aus 2 Vokalen, die nach den Ausspracheregeln gemeinsam ausgesprochen würden, tatsächlich als zwei getrennte Vokale gesprochen werden soll (Diärese). Ohne Trema würde z. B. das Wort ???????? [] (Lammkottlets) [] (kleine Kinder) gesprochen. Fällt der Akzent auf den ersten der beiden Vokale, erübrigt sich das Trema und wird nicht gesetzt (???? /ke-ik/ Kuchen).
Phonetische Ambiguitäten
Wie oben erwähnt, ist im Neugriechischen meist jedem Greeklish bezeichnet werden.
Textprobe
????? ?? ??? ???? ?????. ??? ??????? ???????? ??? ????????, ??? ??? ???? ???? ????? ???? ??? ????? ??? ???? ???, ?? ???????, ??? ?? ??? ??? ?????. ????? ?????? ? ????? ???, ???? ? ???????? ??? ????? ???????? ??? ?? ?????? ??? ?? ???????????? ????? ??? ??? ?????????? ????? ???????. ? ???????? ?????? ??? ????? ???? ??? ?? ????????.Aníko se mia chóra mikrí. Éna pétrino akrotíri sti Mesógio, pou den échi állo agathó pará ton agóna tou laoú tou, ti thálassa, ke to fos tou íliou. Íne mikrós o tópos mas, allá i parádosí tou íne terástia ke to prágma pou ti charaktirízi íne óti mas paradóthike chorís diakopí. I ellinikí glóssa den épapse poté tis na miliéte. (Transkription)
(Giorgos Seferis: Rede zur Verleihung des Nobelpreises, Stockholm 1963 ??????????? ?????????/Neugriechische Erzählungen, Auswahl und Übersetzung von Efrossini Kalkasina-Korn und Elisabeth Weiler, München 1988, ISBN 3424092483
Literatur
*Geschichte:
**Francisco R. Adrados: Geschichte der griechischen Sprache von den Anfängen bis heute. Tübingen/Basel 2002.
**Robert Browning: Medieval and Modern Greek Cambridge 1983
**Hans Eideneier: Von Rhapsodie zu Rap. Aspekte der griechischen Sprachgeschichte von Homer bis heute. Tübingen 1999.
**Geoffrey C. Horrocks: Greek: A History of the Language and Its Speakers. Longman Linguistics Library. London (u.a.) 1997.
**Christos Karvounis: Griechisch (Altgriechisch, Mittelgriechisch, Neugriechisch), in: Okuka, M. (Hrsg.): Lexikon der Sprachen des europäischen Ostens, Klagenfurt 2002, S. 21-46.
*Dialekte
**Peter Trudgill: Modern Greek dialects. A preliminary Classification, in: Journal of Greek Linguistics 4 (2003), p. 54-64, ISSN 1566-5844, [http://www.benjamins.com/jbp/series/JGL/4/art/0003a.pdf pdf] (864 kB)
*Grammatik:
**Hans Ruge: Grammatik des Neugriechischen (Lautlehre, Formenlehre, Syntax) Köln 2001
**Wilhelm Metger: Neugriechische Kurzgrammatik'', Ismaning 1998, ISBN 3190052506
*einsprachige Großlexika:
**???????????? ???????????? ????????????, ?????????? ???????????? ???????: ?????? ??? ?????? ????????????. Erste Auflage: Thessaloniki 1998.
**????????????, ????????: ?????? ??? ???? ????????? ???????. Erste Auflage: Athen 1998.
Weblinks
• Wikibooks:Modern Greek (auf englisch, wesentlich weiter ausgearbeitet als das deutsche Pendant)• Online-Kurs vom zypriotischen Rundfunk CyBC, 105 Lektionen à 15 Min., engl., Real Audio
• Philoglossia: Neugriechischer Online-Sprachkurs
• Kleiner online Griechisch Sprachkurs für einfache Konversation
• Online Wörterbuch der griechischen Sprache
• Online Tastatur für Griechisch
• Virtual Greek Keyboard Virtual Tastatur für Griechisch.

