Habsburg
rechts den österreichischen Doppeladler, heraldisch links das ungarische Wappen. Die beiden Wappenschilde werden überragt vom Wappen des Hauses Habsburg-Lothringen: Heraldisch rechts in Gold ein blaugekrönter roter Löwe (Habsburg), im roten Mittelfeld ein silberner Querbalken (Österreich), heraldisch links in Gold ein roter Schrägbalken mit drei gestümmelten silbernen Adlern (Lothringen). Es ist mit einer Königskrone bekrönt und dem Orden vom Goldenen Vlies (Toison d'or) geschmückt.]]
auch als Flagge des Kaisertums Österreich verwendet, danach Flagge der österreichischen Reichshälfte in Österreich-Ungarn]]Die Habsburger sind ein europäisches Adelsgeschlecht, dessen Name sich von der Habsburg im Aargau (Schweiz) herleitet. Mitglieder der Dynastie herrschten jahrhundertelang über Österreich, Böhmen und Ungarn. Von 1438 bis 1740 gehörten alle Kaiser des Heiligen_Römischen_Reiches dem Haus Habsburg an. Im 16. und 17. Jahrhundert herrschten sie auch über die Königreiche Spanien und Portugal und deren überseeische Besitzungen in Amerika, Afrika und Asien.
Nach dem Tod des letzten männlichen Habsburgers, Kaiser Karl_VI., trat die von dessen Tochter Maria Theresia mit Franz_I._Stephan_von_Lothringen begründete Dynastie Habsburg-Lothringen ihre Nachfolge an und stellte von 1745 bis zum Untergang des Heiligen Römischen Reiches 1806 erneut die Kaiser; der letzte römisch-deutsche Kaiser, Franz_II. begründete 1804 das erbliche Kaisertum Österreich, welches bis 1918 bestand. Nebenlinien der Dynastie Habsburg-Lothringen regierten in der Toskana, Modena und Parma sowie kurzzeitig in Mexiko. Umgangssprachlich wird auch die noch heute bestehende Dynastie Habsburg-Lothringen als ?Habsburg? bezeichnet.
Geschichte
Frühe Habsburger (bis 1278)
thumb|Das_alte_Wappen_der_Habsburger_in_der_Stumpfschen_Chronik
Die früheren Generationen der Habsburger lassen sich einerseits nur auf Grund genealogischer Aufzeichnungen rekonstruieren, die 1160 erstellt worden sind, und andererseits auf Grund des gefälschten Testamentes eines Werner_I. (*1030; ?1096). Gefälscht insoweit, als dass das Testament auf 1027 datiert ist, jedoch vermutlich um 1085 geschrieben wurde. Habsburgische Stammbaumforscher arbeiteten schon um 1500 komplette Stammbäume ihres Geschlechtes aus. Diese frühen Genealogien führen u.a römische Adelige, Priamos von Troja (Sohn Jupiters) und König Artus als direkte Vorfahren an. Historisch fundierte Ergebnisse über die Stammbaumverhältnisse sind nicht vorhanden. Einzig die Namen lassen sich belegen.Guntram der Reiche (?973) soll nach den 1160 erstellten Stammbäumen der Acta Murensia der Stammvater sein. Eine andere Quelle erwähnt einen Guntram, der Graf am Oberrhein gewesen sein soll. Wenn es die gleiche Person ist, dann könnten die Habsburger aus dem elsässischen Herzogsgeschlecht der Etichonen mit Besitz im Elsass und im Breisgau kommen.
Von Guntram dem Reichen ist dokumentiert, dass er einen Sohn namens Lanzelin oder Kanzelin, Graf von Altenburg (im heutigen Kanton Aargau, oder vielleicht Altenburg im Klettgau), hatte. Er wird mit einem Landolt, Graf im Thurgau, in Verbindung gesetzt. In neuerer Zeit wird jedoch immer mehr gezweifelt, ob diese dieselbe Person sind.
Um 1027 gründete der Enkel Guntrams Radbot (*985; ?1045) das Benediktinerkloster_Muri, sein Bruder Rudolf das im Oberelsass befindliche Kloster_Ottmarsheim. Als Herrschaftsmittelpunkt wurde um 1020 von Radbot oder von einem Werner_I. (*1030; ?1096) die Burg_Habsburg errichtet, welche sich in der gleichnamigen heutigen Schweizer Gemeinde Habsburg befindet. Die Habsburger hatten auch weitere Burgen errichtet. Otto, Graf von Habsburg (?1111) war der erste der Familie, der sich von Habsburg nannte. Im 11. und 12. Jahrhundert bauten die Habsburger ihre Territorien aus. Sie erwarben Vogteien und Grafschaftsrechte. Sie wurden so Landgrafen im Oberelsass und Vögte des Straßburger Hochstifts und beanspruchten das Erbe der Kyburger, so dass sie Ländereien im Zürigau, in Schwyz, Unterwalden, im Aargau und in Uri erobern konnten.
Die erste Hausteilung fand im frühen 13. Jahrhundert statt. Albrecht_IV. war der Begründer der älteren Linie und Rudolf_III. der der Habsburg-Laufenburgischen Linie. Durch die Konkurrenz entstand eine räumliche Trennung. Obwohl Rudolf III. nicht zu einer Nebenrolle verdammt wurde, gelang es ihm nicht, ein eigenes Herrschaftszentrum in der Innerschweiz aufzubauen. Spätere Versuche wurden häufig von der älteren Linie durchkreuzt.
Der Sohn Albrechts IV., Rudolf IV. dagegen konnte sein Reich systematisch ausbauen. Er konnte seine Herrschaft auf den Schwarzwald ausdehnen. Durch das Kyburger Erbe konnte er zudem die Ost- und Nordostschweiz für sich beanspruchen. Er wurde zu einem mächtigen Herren in Südschwaben. Seine Wahl zum römisch-deutschen_König 1273 als Rudolf_I. krönte seinen Erfolg.
Mit dem Tod König_Ottokars_II. im Jahre 1278 begann die Herrschaft der Habsburger in Österreich.
Die Habsburger als Herrscher des Heiligen Römischen Reiches
Nach der Wahl Rudolfs I. zum römisch-deutschen König etablierten die Habsburger mit dem Erwerb der Herzogtümer Österreich und Steiermark (durch Belehnung der Söhne Rudolfs) eine bedeutende Hausmacht. Mit weiteren Gebietszuwächsen im Osten und dem Verlust der althabsburgischen Besitzungen in der Schweiz im 14. und 15. Jahrhundert verlagerte sich das Machtzentrum endgültig in das Ostalpengebiet. Die Habsburg selbst ging 1415 an die Eidgenossen. Dennoch blieben die Beziehungen der Habsburger zu ihrem früheren Kernland eng. Dies zeigte sich unter anderem am Kloster Muri und an der Abtei Königsfelden.
Die Nichtberücksichtigung im Kreis der Kurfürsten in der Goldenen_Bulle veranlasste Herzog Rudolf_IV. 1358/59 zu einer Fälschung, dem Privilegium Maius, in dem er den Erzherzogstitel, der später für die Habsburger charakteristisch wurde, für sich beanspruchte.
Nach der Wahl König Albrechts_II. 1438 stellten die Habsburger - mit Ausnahme Kaiser Karls_VII. (1742?1745) - alle Kaiser des Heiligen_Römischen_Reiches_Deutscher_Nation bis zu dessen Ende 1806.
Glückliche Familienverbindungen und unvorhersehbare Todesfälle brachten den Habsburgern im auslaufenden 15. Jahrhundert das Herzogtum Burgund und danach die Kronen Spaniens, Böhmens und Ungarns. Mit den Nachfolgern von Kaiser Karl_V. teilten sich die Habsburger in eine spanische und in eine österreichische Linie. Nach dem Erlöschen der spanischen Linie konnten die österreichischen Habsburger nur einen kleinen Teil des spanischen Erbes gewinnen.
1740 starb auch die österreichische Linie im Mannesstamm aus. Nach der Heirat der Erbtochter Maria Theresia, deren Herrscherrechte Karl VI. mit der Pragmatischen_Sanktion gesichert hatte, mit Franz_Stephan_von_Lothringen nannte sich die Dynastie Habsburg-Lothringen. Sie stellte nach dem Tod Kaiser Franz I. Stephan von 1765 bis 1806 die Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation.
1806 legte Kaiser Franz_II. als Folge der napoleonischen Kriege die Krone nieder und erklärte das Heilige Römische Reich für erloschen.
Kaisertum Österreich
Schon zuvor, nämlich 1804 hatte Kaiser Franz II. das erbliche Kaisertum Österreich proklamiert, um Ranggleichheit mit Napoleon zu wahren, welcher im gleichen Jahr zum Kaiser der Franzosen proklamiert worden war. Das Kaisertum Österreich umfasste sämtliche habsburgischen Erbländer. 1867 erfolgte die Umwandlung zur Österreichisch-Ungarischen_Monarchie; diese zerfiel mit dem Ende des ersten Weltkrieges 1918.
Habsburger nach 1918
Am 11. November 1918 verzichtete der letzte Kaiser Karl_I. auf "jeden Anteil an den Staatsgeschäften" in Österreich, am 13. November auch in Ungarn.
Aufgrund des Habsburgergesetzes Deutschösterreichs vom 3. April 1919 wurden jene Habsburger, die nicht auf ihre Zugehörigkeit zum "Haus Habsburg-Lothringen" (also zur Dynastie mit ihren Herrschaftsansprüchen) verzichten und sich "als getreue Staatsbürger der Republik" bekennen wollten, des Landes verwiesen. Außerdem wurden die habsburgischen Familienfonds enteignet (nicht aber persönliches Privatvermögen). Die Mitglieder des Hauses entschieden sich teils für das republikanische Österreich, teils für das Leben im Ausland.
Nach zwei gescheiterten Restaurationsversuchen König_Karls_IV. in Ungarn beschloss das ungarische Parlament am 6. November 1921 die Dethronisation des Hauses Habsburg-Lothringen. (Ungarn blieb bis 1944 Königreich ohne König.)
Familienoberhaupt ist gegenwärtig Otto_Habsburg-Lothringen (1912), der älteste Sohn von Kaiser Karl. Er hat die Republik 1962 anerkannt.
Herrscherlisten
Römisch-deutsche Kaiser und Könige aus dem Haus Habsburg
Rudolf_I., König 1273-1291
Albrecht_I., König 1298-1308
Friedrich der Schöne, König 1314-1330
Albrecht_II., König 1438-1439
Friedrich_III., König 1440-1486, Kaiser 1452-1493
Maximilian_I., König 1486, Kaiser 1508-1519
Karl_V., König 1519, Kaiser 1520-1556 (abgedankt), ? 1558
Ferdinand_I., König 1531, Kaiser 1558-1564
Maximilian_II., König 1562, Kaiser 1564-1576
Rudolf_II., König 1575, Kaiser 1576-1612
Matthias, König u. Kaiser 1612, ? 1619
Ferdinand_II., König u. Kaiser 1619-1637
Ferdinand_III., König 1636, Kaiser 1637-1657
Ferdinand_IV., König 1653-1654
Leopold_I., König u. Kaiser 1658-1705
Joseph_I., König 1690, Kaiser 1705-1711
Karl_VI., König u. Kaiser 1711-1740
Römisch-deutsche Kaiser und Könige aus dem Haus Habsburg-Lothringen
* (Franz_I._Stephan), König u. Kaiser 1745-1765 (Haus Lothringen)
Joseph_II., König 1764, Kaiser 1765-1790
Leopold_II., König u. Kaiser 1790-1792
Franz_II., König u. Kaiser 1792-1806 (abgedankt), ? 1835
Kaiser von Österreich aus dem Haus Habsburg-Lothringen
Franz_I., Kaiser 1804-1835
Ferdinand_I., Kaiser 1835-1848 (abgedankt), ? 1875
Franz_Joseph_I., Kaiser 1848-1916
Karl_I. Kaiser 1916-1918 (1918 Ausrufung der Republik, jedoch keine Abdankung), ? 1922
Kaiser von Mexiko aus dem Haus Habsburg-Lothringen bzw. Habsburg-Iturbide
Maximilian_I. 1864-1867
Könige von Spanien und Portugal aus dem Haus Habsburg (Casa de Austria)
Philipp_I. 1504-1506 (König von Kastilien)
Karl_I. 1516-1556
Philipp_II. (in Portugal: Philipp I.) 1556/1580-1598
Philipp_III. (in Portugal: Philipp II.) 1598-1621
Philipp_IV. (in Portugal: Philipp III.) 1621-1640/1665
Karl_II. 1665-1700
Könige von Ungarn aus den Häusern Habsburg und Habsburg-Lothringen
Albrecht (als römisch-deutscher König: Albrecht II.) 1438-1439
Ladislaus_V._Postumus 1440-1457
Ferdinand_I. (röm.-dt. Ks. Ferdinand I.) 1527-1564
Maximilian) (röm.-dt. Ks. Maximilian II.) 1564-1576
Rudolf (röm.-dt. Ks. Rudolf II.) 1576-1608
Matthias (röm.-dt. Ks. Matthias) 1608-1619
Ferdinand_II. (röm.-dt. Ks. Ferdinand II.) 1619-1637
Ferdinand_III. (röm.-dt. Ks. Ferdinand III.) 1637-1657
Ferdinand_IV. (röm.-dt. König (= Thronfolger) Ferdinand IV.)
Leopold_I. (röm.-dt. Ks. Leopold I.) 1657-1705
Joseph_I. (röm.-dt. Ks. Joseph I.) 1705-1711
Karl_III. (röm.-dt. Ks. Karl VI.) 1711-1740
Maria Theresia 1740-1780
Joseph_II. (röm.-dt. Ks. Joseph II.) 1780-1790
Leopold_II. (röm.-dt. Ks. Leopold II.) 1790-1792
Franz_I. (Ks. Franz I. von Österreich) 1792-1835
Ferdinand_V. (Ks. Ferdinand I. von Österreich) 1835-1848
Franz_Joseph_I. (Ks. Franz Joseph I. von Österreich) 1848-1916
Karl_IV. (Ks. Karl I. von Österreich) 1916-1918
Regenten von Österreich aus den Häusern Habsburg und Habsburg-Lothringen
siehe dazu:
Liste der Markgrafen und Herzöge von Österreich im Mittelalter 871?1457/1463
Liste der Erzherzöge von Österreich 1457/1463?1918
* Listen der Habsburgischen Nebenlinien:
*Liste_der_Herrscher_von_Innerösterreich (Steiermark, Kärnten, Krain und Küstenlande) 1379/1411?1457 (Albertiner und Leopoldiner) und 1564?1619
*Liste_der_Herrscher_von_Tirol 1363?1490 und 1564?1665 (ältere und jüngere Tiroler Linie)
Großherzöge der Toskana aus dem Haus Habsburg-Lothringen
Franz_Stephan 1737-1765
* Leopold I. war Leopold II. (HRR) 1765-1790
Ferdinand_III. 1790-1800, nochmals 1814-1824
Leopold_II. 1824-1849, nochmals 1849-1859
Ferdinand_IV. 1859
Herzöge von Modena aus dem Haus Habsburg-Lothringen bzw. Habsburg-Este
Franz_IV. 1814-1846
Franz_V. 1846-1848, 1849-1859
Herzogin von Parma aus dem Haus Habsburg-Lothringen
Marie-Louise 1814-1847
Literatur
* Henry Bogdan: Histoire des Habsbourg : des origines à nos jours. Paris : Perrin, coll. « Tempus », n° 107, 2005. 425 pp., 18 cm. ISBN 2-262-02376-X.
*Dorothy Gies McGuigan: Familie Habsburg 1273 bis 1918 : Glanz und Elend eines Herrscherhauses, Berlin, 2003 (10. Auflage). ISBN 3-548-33173-4.
* Brigitte Hamann (Hrsg): Die Habsburger. Ein biographisches Lexikon, Wien/München 1996 (3.Auflage).
* Heinz-Dieter Heimann: Die Habsburger - Dynastie und Kaiserreiche, München 2004 (2. Auflage).
* Thomas Lau (Hg.), Österreichische Familien. Machthaber, Mimen und Magnaten. Böhlau Wien, 2006. ISBN 978-3-205-77543-0. (enthält ein Kapitel über die Familie Habsburg).
* Richard Reifenscheid: Die Habsburger in Lebensbildern. Von Rudolf I. bis Karl I., Wien 1990 (4. Auflage).
* Karl Vocelka/Lyenne Heller: Die Lebenswelt der Habsburger, Kultur- und Mentalitätsgeschichte einer Familie, Graz/Wien/Köln 1997.
* Karl Vocelka/Lyenne Heller: Die private Welt der Habsburger. Leben und Alltag einer Familie, Graz/Wien/Köln 1998.
* Brigitte Vacha (Hrsg.): Die Habsburger. Eine Europäische Familiengeschichte, Graz/Wien/Köln 1992, ISBN 3-222-12107-9
* Adam Wandruszka: Das Haus Habsburg. Die Geschichte einer europäischen Dynastie, Wien 1989 (7.Auflage).
Siehe auch
Liste der römisch-deutschen Herrscher
Stammtafel der Habsburger
Kaiser von Österreich
Liste der ungarischen Herrscher
Liste der böhmischen Herrscher
Liste der Herrscher Spaniens
Liste der Herrscher der Toskana
Liste der Herrscher von Parma
Genealogisches Handbuch des Adels
Österreichische Kaiserhymnen
Habsburg (Burg), die Burg der Habsburger in der Gemeinde Habsburg, Schweiz
Habsburg-Laufenburg, eine Seitenlinie im 13. und 14. Jahrhundert.
Habsburger Lippe
Heiratspolitik_der_Habsburger
Weblinks
*
• ?Erzherzog Dr. Otto von Habsburg? (Autorisierte Ehrenseite)
*
• Die frühen Habsburger
• Das Haus Habsburg zu Gast auf Schloss Planitz
• Stammbaum der Habsburger (bis Maria Theresia)
• The Hapsburg Monarchy (Wickham Steed, 1913)) eLibrary Austria Project (englisches E-Book)
• Stammtafel der Habsburger in der Renaissance in Bildern

