Guglielmo Oberdan
Guglielmo Oberdan oder Wilhelm Oberdank (1858 in Triest; ? 20. Dezember 1882 in Triest) war Mitglied der irredentistischen_Bewegung in Italien. Er wurde nach einem missglückten Attentat auf den österreichischen Kaiser_Franz_Joseph_I hingerichtet und nach seinem Tod zum Märtyrer erhoben.Geboren in Triest studierte Oberdan ab 1877 Ingenieurwissenschaften an der Technischen_Hochschule in Wien. Als Anhänger der Unabhängigkeit einzelner nationaler Bevölkerungsgruppen lehnte er die Besetzung von Bosnien-Herzegowina durch Österreich ab und verweigerte aus diesem Grund 1878 den Kriegsdienst, um nicht an einem österreichischen Militäreinsatz in Bosnien-Herzegowina teilzunehmen. Oberdan desertierte und floh nach Rom, wo er sein Studium fortsetzte und sich der irredentistischen_Bewegung anschloss. Sein Ziel war, seine Heimatstadt Triest als italienischsprachiges Gebiet von Österreich-Ungarn loszulösen und dem Nationalstaat Italien anzuschließen.
Im Juli 1882 traf Oberdan den Führer der irredentistischen Bewegung und Mitbegründer der Vereinigung Italia Irredenta (italienisch: unerlöstes Italien), Matteo Renato Imbriani. Hier fasste Oberdan den Entschluss, dass Triest nur durch sein eigenes Martyrium von der österreichischen Herrschaft losgelöst werden könne.
Als 1882 Franz_Joseph_I. Triest anlässlich der 500-jährigen Dauer der habsburgischen Herrschaft über die Stadt besuchte, wurden die Feierlichkeiten von antiösterreichischen Demonstrationen begleitet. Oberdan nutzte die Gelegenheit, um zusammen mit dem istrischen Apotheker Donato Ragosa ein Bombenattentat auf den österreichischen Kaiser zu verüben. Franz Joseph I. entging dem Anschlag nur knapp, zwei Personen fielen den beiden Bomben allerdings zum Opfer. Oberdan wurde später in Ronchi festgenommen, von der österreichischen Justiz verurteilt und am 20. Dezember 1882 mit dem Tod durch Strick hingerichtet.
Unmittelbar nach seinem Tod wurde Oberdan zum Märtyrer erhoben. In den Ereignissen um Oberdan fand die irredentistische_Bewegung einen verstärkten Zulauf und der Kampf gegen die Vormacht Österreichs seinen Höhepunkt. Triest blieb jedoch im Nationalitätenkampf bis 1914 einer der heißesten Konfliktherde Österreich-Ungarns.
Während des Ersten_Weltkriegs instrumentalisierten die Faschisten unter Mussolini Oberdan und sein Martyrium, um einen nationalen Konsens in der italienischen Bevölkerung zu schaffen.
Heute erinnern das Museum des Risorgimento in Triest mit Guglielmo-Oberdan-Gedenkstätte sowie die Benennung zahlreicher Plätze und Straßen in ganz Italien an Oberdan als italienischen Nationalhelden.

